Gestern vertrieben, heute verschwiegen in Berlin

Gestern vertrieben, heute verschwiegen – ein Panel zum Völkermord an den Êzidinnen und Êziden im Jahre 2014
Mit der Veranstaltung „Gestern vertrieben, heute verschwiegen“ am 19. Juni 2025 in der Schwarzkopf Stiftung Junges Europa hat das Studierendenforum im Tönissteiner Kreis e.V. einen wichtigen Akzent im Bereich Erinnerungskultur und Menschenrechte gesetzt. Gemeinsam mit der Schwarzkopf Stiftung wurde ein Raum geschaffen, um an den Völkermord an den Jesid*innen zu erinnern, der durch den sogenannten Islamischen Staat seit 2014 verübt wurde, und die gesellschaftliche Aufarbeitung dieses Verbrechens zu fördern.
In Deutschland lebt die größte jesidische Diaspora weltweit, dennoch findet bislang nur wenig öffentliche Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Gemeinschaft statt. Unser Ziel war es daher, die Stimmen der Überlebenden hörbar zu machen und zugleich über juristische Aufarbeitung und politische Verantwortung zu informieren.


Den Auftakt der Veranstaltung machte Christian Ritscher, ehemaliger Leiter des UN-Ermittlungsteams zu den Verbrechen des IS im Irak. In seinem Beitrag verdeutlichte er die Dimensionen der begangenen Verbrechen und die Hürden, die internationale Strafverfolgung überwinden muss, um Gerechtigkeit für die Betroffenen herzustellen. Im Anschluss daran berichtete Farhad Alsilo, selbst Überlebender des Genozids, von seiner Flucht nach Deutschland und seinen Erfahrungen als damals elfjähriges Kind. Seine eindringliche Erzählung brachte das Leid, aber auch die Resilienz der jesidischen Gemeinschaft eindrucksvoll zum Ausdruck. Moderiert wurde die Veranstaltung von Carina Lange, die das Publikum durch die verschiedenen Perspektiven führte.


Die große Resonanz und das anschließende Gespräch mit den Gästen machten deutlich, wie groß das Bedürfnis nach Austausch und Aufklärung ist. Mit „Gestern vertrieben, heute verschwiegen“ ist es uns gelungen, historische Verantwortung und persönliche Geschichten zusammenzuführen und so ein Stück Erinnerungskultur aktiv zu gestalten.
Wir bedanken uns herzlich bei der Schwarzkopf Stiftung Junges Europa für die Kooperation und bei allen Teilnehmenden für ihr Interesse und ihre engagierten Beiträge.
Weitere Projekte mit Fokus auf andere Gemeinschaften und ihr Leid sind für die Zukunft geplant.


Projektteam: Ahmet Bekisoglu, Laura Vossen, Gardinia Borto, Amadeus Seehaus,
Mitglieder im Tönissteiner Kreis: Martin Schmid